Aktualisiert: 20.05.2026
Histaminintoleranz: Ursachen, Symptome & Ernährung
Histamin ist ein körpereigener Botenstoff, der viele wichtige Funktionen im Organismus übernimmt, aber auch über die Nahrung aufgenommen wird. In manchen Fällen kann der Körper Histamin jedoch nicht ausreichend abbauen, was zu einer sogenannten Histaminintoleranz führt. Die Beschwerden sind vielfältig und betreffen unterschiedliche Organsysteme. Lesen Sie, was Histamin ist, was eine Unverträglichkeit ausmacht und welche Rolle die Ernährung spielt.
Was ist Histamin?
Das Gewebshormon Histamin ist ein biogenes Amin, das unter anderem beim Abbau von Eiweiß in der Nahrung entsteht. Es kommt in der Haut, dem Magen, dem Darm, der Lunge und im Gehirn vor. Histamin ist ein wesentlicher Botenstoff bei Entzündungsreaktionen und besitzt viele weitere Funktionen im Körper. Es erweitert beispielsweise die Blutgefäße. Histamin kann sowohl von Tieren als auch Pflanzen außerdem als Abwehrstoff produziert werden. Dazu gehören etwa Quallen oder Brennnesseln. Im menschlichen Körper wird Histamin permanent selbst gebildet.
Es wird aber auch über die Nahrung aufgenommen, denn Histamin kommt in vielen Lebensmitteln vor. Gärung und Reifeprozesse erzeugen teils hohe Konzentrationen an Histamin. Deshalb gelten z. B. Sauerkraut oder Rotwein als besonders histaminreich. Sind Lebensmittel verdorben, sorgt unter anderem die darin enthaltene hohe Histaminkonzentration dafür, dass sie für uns Menschen unverträglich werden. Aasfresser hingegen vertragen den hohen Histamingehalt in der Nahrung, weil sie über deutlich mehr Diaminoxidase (DAO, Histaminase) verfügen. DAO ist ein Enzym, das Histamin verstoffwechselt.
Was macht Histamin im Körper?
Histamin regelt als Botenstoff verschiedene Aufgaben im Körper. Es ist unter anderem beteiligt an der Steuerung des Blutdrucks, der Anregung des Darms (Darmperistaltik), der Ausschüttung von Magensaft und dem Zellwachstum sowie der -differenzierung. Als Nervenbotenstoff ist Histamin auch in unserem Gehirn von zentraler Bedeutung. Dort spielt es auch für das Gedächtnis und unseren Tag-Nacht-Rhythmus eine Rolle.
Was ist eine Histaminintoleranz?
Bei einer Histaminintoleranz – sie wird manchmal mit „HIT“ abgekürzt – kann der Körper Histamin nicht effektiv abbauen. Dadurch häuft sich vermehrt Histamin im Organismus an, wodurch typische Beschwerden auftreten. Dazu gehören Ausschläge der Haut, Magen-Darm-Beschwerden – Histamin bewirkt z. B. eine erhöhte Magensäure-Bildung – oder Kopfschmerzen. Die Ausschüttung von Histamin kann auch bei Migräne aufgrund der gefäßerweiternden Wirkung des Botenstoffs eine Rolle spielen. Überdies verengt Histamin die Bronchien, wodurch es asthmaähnliche Beschwerden verursachen kann.
Man schätzt, dass zwischen 1 und 3 % der Menschen betroffen sind. Durch ein höheres Bewusstsein für die Histaminintoleranz ist die Tendenz der Krankheitshäufigkeit (Prävalenz) steigend. Frauen sind häufiger von einer Histaminintoleranz betroffen als Männer (im Verhältnis 2:1). Typischerweise treten Probleme mit Histamin im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf, am häufigsten wird ihr Auftreten allerdings zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr beschrieben.
Ursachen: Warum habe ich eine Histaminintoleranz?
Man geht derzeit davon aus, dass bei histaminintoleranten Menschen der Prozess bestimmter Enzyme gestört ist, mit denen Histamin im Körper abgebaut wird.
1. DAO: Kurzform für Diaminoxidase. Dieses Enzym, das Histamin abbaut, findet sich insbesondere in der Schleimhaut des Darms sowie in den Nieren, der Leber und in den weißen Blutkörperchen.
2. HNMT: Abkürzung für das Enzym Histamin-N-Methyltransferase, das im Bereich der Bronchien sowie in der Haut zu finden ist.
Diese Enzyme bauen allerdings nicht nur Histamin ab, sondern etwa auch den Geschmacksträger Glutamat, der natürlich in bestimmten Lebensmitteln – vor allem aber in Fertiggerichten, Chips oder Fertigsaucen – vorkommt. Man sollte bei Beschwerden also auch immer daran denken, dass andere biogene Amine als Histamin ebenso Intoleranzsymptome auslösen können. Betroffene berichten außerdem, dass die Beschwerden nicht automatisch immer im gleichen Maße auftreten. Sie können etwa durch den Konsum von Alkohol oder im Zusammenhang mit hormonellen Schwankungen im weiblichen Zyklus auftreten.
Warum reagiere ich auf Histamin?
Einige Menschen bemerken nach dem Konsum von histaminreichen Lebensmitteln Reaktionen, die an eine Allergie erinnern. Dennoch handelt es sich bei der Histaminintoleranz nicht um eine Allergie. Zu den allergieartigen Reaktionen gehören Hautprobleme, Kopfweh, Juckreiz oder auch Schnupfen. Warum die Betroffenen entsprechende Symptome entwickeln, ist derzeit noch nicht restlos geklärt. In der Fachwelt geht man derzeit davon aus, dass die Beschwerden aufgrund einer Dysbalance entstehen, die zwischen im Organismus angesammeltem Histamin und der Fähigkeit, es abzubauen, besteht. Aktuell gibt es nicht einmal klare wissenschaftliche Belege dafür, dass die Unverträglichkeitsbeschwerden aufgrund von durch Lebensmittel zugeführtem Histamin entstehen. Wer also den Verdacht hat, auf Histamin zu reagieren, sollte vorab jedenfalls andere Erkrankungen oder Unverträglichkeiten ausschließen. Dazu gehört etwa die Zöliakie oder die Laktoseintoleranz.
Warum habe ich plötzlich eine Histaminintoleranz bekommen?
Warum Menschen plötzlich Symptome einer Histaminunverträglichkeit entwickeln, ist aktuell wissenschaftlich noch nicht restlos geklärt. Sofern es sich nicht um eine Histaminvergiftung (Lebensmittelvergiftung) handelt, kann nicht einmal klar dargelegt werden, dass das mit der Ernährung aufgenommene Histamin alleine in der Lage ist, Intoleranzreaktionen auszulösen. Die derzeit gängigste Erklärung sieht ein Ungleichgewicht zwischen dem im Organismus anfallenden Histamin und der Fähigkeit zum Abbau des Gewebehormons.
Kann Stress eine Histaminintoleranz verschlimmern?
Stress gilt nicht als Auslöser einer Histaminintoleranz. Man geht aber davon aus, dass er auftretende Beschwerden verschlimmern kann: Bei akutem Stresserleben schütten wir Adrenalin aus. In anhaltenden, chronischen Stressphasen ist das Stresshormon Cortisol erhöht. Dadurch kann es zu ähnlichen körperlichen Reaktionen kommen, wie sie Betroffene einer Histaminintoleranz beschreiben. Entsprechend kann auch keine eindeutige Trennung zwischen stressbedingten und histaminbedingten Beschwerden vorgenommen werden, zumal durch die Ausschüttung von Histamin wiederum möglicherweise die Freisetzung von Adrenalin begünstigt werden könnte, was wiederum Stresssymptome fördern würde. In der Fachliteratur liest man auch von Fallberichten, in denen Eltern eine Besserung von aggressivem und unruhigem Verhalten ihrer Kinder beschreiben, wenn diese sich histaminarm ernähren. Aussagekräftige Studien zu diesem möglichen Zusammenhang stehen aber noch aus.
Ist Histaminintoleranz eine Allergie oder nicht?
Nein. Eine Histaminintoleranz ist keine Allergie. Auch wenn im Volksmund oft von einer solchen die Rede ist, ist eine Histaminintoleranz keine klassische Allergie. Sie wird zu den Unverträglichkeiten im Rahmen einer Stoffwechselstörung gezählt. Ganz strenggenommen ist damit sogar der Begriff Histaminintoleranz etwas unscharf. Denn eine klassische Intoleranz ist durch das Fehlen etwaiger Proteine oder Enzyme gekennzeichnet. Bei der Histaminunverträglichkeit geht man allerdings davon aus, dass die für den Abbau von Histamin notwendigen Enzyme das Histamin nicht richtig abbauen.
Wie hängt Histaminunverträglichkeit mit dem Darm zusammen?
Die Verträglichkeit von Histamin bzw. Beschwerden, die beim Verzehr histaminreicher Lebensmittel auftreten, werden immer wieder auch mit anderen körperlichen Aspekten in Verbindung gebracht. Eine große Rolle scheint der Magen-Darm-Bereich zu spielen.
Hängt Histaminintoleranz mit dem Darm zusammen?
Bei einigen entzündlichen Darmerkrankungen kann es eventuell zu einem Mangel des Enzyms Diaminoxidase kommen, das normalerweise für den Abbau von Histamin zuständig ist. Dadurch wird insgesamt weniger Histamin im Körper abgebaut. Es können sich im Darm allerdings auch vermehrt histaminbildende Bakterien ansiedeln, wodurch zusätzlich mehr Histamin entsteht. Ist zudem die Darmbarriere gestört („Leaky Gut“), kann dieses Histamin leichter in das Blut aufgenommen werden.
Spielt die Darmflora bei Histaminintoleranz eine Rolle?
Bei einer intakten Darmbarriere kann Histamin nicht so leicht über den Darm ins Blut gelangen. Die Vorbeugung eines durchlässigen Darms spielt daher bei der Histaminintoleranz womöglich eine wesentliche Rollen. Eine gesunde Darmflora besteht wiederum aus einem vielfältigen Mikrobiom.
Kann Histaminintoleranz vom Reizdarmsyndrom kommen?
Auch das Reizdarmsyndrom wird in Verbindung mit der Histaminintoleranz häufig genannt. Der Grund: Histamin kann Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchweh, Blähungen, Krämpfe oder Durchfall verschlimmern. Symptome, die beim Reizdarmsyndrom oft chronisch auftreten. Die Rate der Betroffenen von Lebensmittelintoleranzen ist bei Menschen mit Reizdarm wesentlich höher. Ein Zusammenhang zwischen Reizdarm und Histaminintoleranz kann also bestehen, muss aber nicht ursächlich sein. Die Kombination aus Pfefferminz- und Kümmelöl lindert Beschwerden wie Blähungen und Bauchschmerzen und ist in Apotheken im pflanzlichen Arzneimittel Gaspan® erhältlich.
Symptome der Histaminintoleranz
Die Symptome, die bei einer Histaminintoleranz auftreten, sind besonders vielfältig, da das Gewebshormon besonders viele Bereiche des Körpers beeinflusst. Mögliche Symptome, die bei einer Histaminintoleranz auftreten können sind:
| Verdauungstrakt | Im Magen-Darm-Bereich können Bauchweh, Durchfall, Übelkeit, Blähungen oder Erbrechen auftreten. |
| Haut | Ausschläge, Nesselausschläge, juckende Haut oder plötzliche Rötung sind typische Beschwerden. |
| Atemwege | Verstopfte Nase, Fließschnupfen oder Niesen können sich als Symptome der Histaminintoleranz zeigen. |
| Nervensystem | Kopfschmerzen, Migräne, pulsierendes Kopfweh sind mögliche Beschwerden bei Histaminunverträglichkeit. |
| Herz & Kreislauf | Als Symptome können Herzrasen, Schwindel, Veränderungen im Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen auftreten. |
Kann man von Histaminintoleranz Schwindel bekommen?
Histamin wirkt im Gehirn erweiternd auf die Blutgefäße. Da Histamin also auch im Gehirn Funktionen übernimmt, kann es bei einer Histaminintoleranz zu entsprechenden Symptomen kommen, die mit dem Kopf in Verbindung gebracht werden. Demnach ist Schwindel jedenfalls ein mögliches Symptom, das im Zuge einer Histaminintoleranz auftritt.
Ich bekomme nach dem Essen Herzrasen – kann das Histamin sein?
Es kann sein, dass Menschen mit einer Histaminunverträglichkeit nach dem Essen Herzrasen bekommen. Histamin wirkt auf verschiedene Rezeptoren. Es erweitert etwa über die H1-Rezeptoren die kleinen Blutgefäße, wodurch der Blutdruck absinkt. Das Herz schlägt nun schneller, um als Gegenmaßnahme den Blutdruck wieder zu steigern. Die Folge: Herzrasen! In diesem Zusammenhang können sogar Herzrhythmusstörungen und innere Unruhe auftreten.
Macht Histaminintoleranz auch Angst oder Panik?
Die blutgefäßerweiternde Wirkung von Histamin führt zur Erniedrigung des Blutdrucks. Der Körper leitet infolgedessen eine Gegenreaktion ein, um die Blutdrucksenkung auszugleichen. Diese Maßnahme erfolgt über das vegetative Nervensystem in Verbindung mit dem Neurotransmitter Noradrenalin. Darüber hinaus zeigen sich insbesondere bei einer Schwäche des Enzyms HNMT vor allem Symptome des Nervensystems. Entsprechend können innere Unruhe bis hin zu Angst und Panikattacken auftreten.
Warum habe ich nach Rotwein Kopfschmerzen?
Alkohol hemmt die Tätigkeit des Enzyms DAO und macht die Darmbarriere durchlässiger für Histamin. In Alkohol ist darüber hinaus Histamin enthalten. Die Hefe im Bier erzeugt es etwa aus dem Stoff Histidin. Auch in Wein ist Histamin enthalten. Doch warum verspüren manche Menschen insbesondere nach dem Konsum von Rotwein Kopfschmerzen? Die Antwort findet sich im Prozess der Weinproduktion. Für die Herstellung von Rotwein hat der Traubensaft wesentlich länger Kontakt mit der Maische, als es bei Weißwein der Fall ist, und auch die Umwandlung von Apfelsäure in Milchsäure unterscheidet sich durch die jeweils beigemengten Milchsäurebakterien. Aus diesem Grund ist die Histaminkonzentration in einem Rotwein durchschnittlich bis zu viermal höher als in einem Weißwein.
Kann Histaminintoleranz Hautprobleme verursachen?
Bestimmte Beschwerden der Haut gehören zu besonders typischen Anzeichen einer Histaminintoleranz. Vor allem das Phänomen der plötzlichen Rötung gilt als charakteristisch. Diese wird auch als „Flush“ bezeichnet, wenn das Gesicht betroffen ist. Es handelt sich um ein anfallsartiges Erröten des Gesichts, das auch mit einem Hitzegefühl der betroffenen Stellen einhergehen kann. Ebenso können andere Hautprobleme durch eine Histaminunverträglichkeit verursacht werden: Dazu gehören juckende Haut oder Nesselausschläge.
Welche Symptome sind typisch für Histaminintoleranz?
Es gibt sehr vielfältige Symptome, die als charakteristisch für eine Unverträglichkeit gegenüber Histamin gelten. Dazu gehören:
- Plötzliches Erröten („Flush“)
- Nesselausschlag
- Juckende Haut
- Hautbläschen
- Bauchschmerzen
- Durchfall
- Übelkeit
- Blähungen
- Fließschnupfen
- Atembeschwerden
- Blutdruckschwankungen
- Herzrasen
- Rhythmusstörungen des Herzens
- Kopfweh
- Migräne
- Schwindel
In welchen Lebensmitteln ist Histamin enthalten?
Histamin befindet sich vor allem in eiweißhaltigen Nahrungsmitteln, wo es aus Histidin im Zusammenspiel mit Pilzen oder Bakterien entsteht. Bei der Herstellung von Wurst oder der Käsereifung entsteht es ebenso wie bei der Erzeugung von Sauerkraut. Histamin entsteht aber auch im Zuge des Verderbens von Lebensmitteln. Wieviel Histamin in einem Nahrungsmittel enthalten ist, kann nicht genau gesagt werden bzw. kann der Gehalt stark schwankend sein. Denn er hängt von vielen Einflussfaktoren – etwa von der Art der Verarbeitung, der Dauer der Lagerung sowie dem Reifegrad des Produktes – ab. Histamin ist demnach in fast allen Lebensmitteln enthalten. Der Gehalt von Histamin steigt jedoch typischerweise mit dem Reife- oder Fermentierungsgrad.
Welche Lebensmittel darf ich bei Histaminintoleranz essen?
Eine konkrete Empfehlung, was man bei Histaminintoleranz essen soll, ist in der Fachwelt fraglich. Der Grund: Die teils extrem stark schwankenden Histaminmengen. Alleine in Emmentaler Käse schwankt der Gehalt von 0,1 bis 2.000 mg pro kg. Bei geräucherter Makrele liegt der Wert zwischen 0,1 bis 1.788 mg pro kg. Es ist also schwer zu sagen, wieviel Histamin wirklich in einer Mahlzeit steckt. Außerdem vertragen Menschen Histamin je nach Lebensmittel unterschiedlich. Selbst-Tests mit eingenommenem Histamin liefern keine immer gleichen Ergebnisse. Deshalb steht zur Debatte, ob es überhaupt sinnvoll ist, Lebensmittel genau nach ihrem Histamingehalt einzuteilen.
Besonders histaminreich: Was sollte ich bei Histaminintoleranz auf keinen Fall essen?
Auch wenn klare Einteilungen nach Histamingehalt aufgrund starker Schwankungen und individueller Unterschiede schwierig sind, kann man doch einige Grundsätze zu Histamin in Lebensmitteln festhalten.
- Besonders viel Histamin enthalten Nahrungsmittel, die fermentiert und lange gelagert werden sowie einen hohen Reifegrad haben, wie etwa bestimmte Käsesorten.
- Es gibt Lebensmittel, die das Enzym DAO hemmen, das für den Abbau von Histamin notwendig ist. Hefe und Alkohol sind Beispiele dafür.
- Darüber hinaus sind sogenannte „Liberatoren“ bekannt. Darunter versteht man Lebensmittel, die Histamin freisetzen. Dazu zählen unter anderem Tomate oder Ananas.
Grundlegend kann man sagen, dass nach dem Verzehr der folgenden Lebens- und Genussmittel häufig Beschwerden beobachtet werden:
- Rotwein
- Champagner
- Hartkäse oder andere lang gereifte Sorten
- Sauerkraut
- Fermentiertes Gemüse
- Schokolade
- Kakao
- Salami
- Rohschinken und -würste
- Nüsse
- Fisch in Konserven
- Tomaten
- Spinat
- Erdbeeren
- Kiwis
- Ananas
Histaminintoleranz: Ist Kaffee erlaubt?
Einige Betroffene von Histaminintoleranz berichten von Bauchschmerzen und anderen Symptomen nachdem sie Arabica-Kaffee getrunken haben. Die meisten Sorten von Kaffee enthalten allerdings gar keine Histamine. Verdauungsbeschwerden entstehen aber womöglich durch das enthaltene Koffein. Es gilt als hemmend für die Enzymaktivität von DAO und regt zusätzlich die körpereigene Ausschüttung von Histamin an.
Diagnose: Wie wird eine Histaminintoleranz festgestellt?
Eine Histaminintoleranz kann man nicht eindeutig mit einem Test nachweisen. Die Beschwerden können auch andere Ursachen haben, deshalb ist es meist nur eine Verdachtsdiagnose. Zuerst müssen andere Erkrankungen ausgeschlossen werden. Wichtig ist auch: Manchmal reagiert der Körper nicht direkt auf Histamin, sondern auf bestimmte Lebensmittel, die Histamin im Körper freisetzen. Am Ende stellt die Ärztin oder der Arzt die Diagnose vor allem anhand der Symptome, der Krankengeschichte und durch das Ausschließen anderer Ursachen, da einzelne Tests nicht zuverlässig sind.
Wie finde ich heraus, ob ich Histaminintoleranz habe?
Es gibt keine klare, sichere Methode, mit der man herausfinden kann, ob man eine Histaminunverträglichkeit hat. Um herauszufinden, ob Histamin ein Problem ist, kann man allerdings einen Selbsttest durchführen, bei dem ein Ernährungs- und Symptomtagebuch helfen kann:
Selbsttest Histaminintoleranz – Phase 1: Testen
Man verzichtet für etwa 10 bis 14 Tage auf besonders histaminhaltige Lebensmittel. In der ersten Phase der Ernährung wird die Histaminzufuhr stark reduziert. Man isst vor allem eine gemüsebetonte, ausgewogene Kost und vermeidet histaminreiche Lebensmittel. Ziel ist es, die Beschwerden möglichst stark zu verringern.
Selbsttest Histaminintoleranz – Phase 2: Beobachten
Danach testet man nach und nach wieder verschiedene Lebensmittel und beobachtet, ob Beschwerden auftreten. Dafür werden verdächtige Lebensmittel wieder in den Speiseplan aufgenommen. Dabei beobachtet man genau, welche Mengen davon vertragen werden, bevor Beschwerden auftreten. Auch persönliche Faktoren wie Stress, Menstruation oder Medikamente sollten im Symptomtagebuch berücksichtigt werden, da sie die Verträglichkeit beeinflussen können. Ziel dieser Phase ist es, die Auswahl an Lebensmitteln wieder zu vergrößern und die individuelle Verträglichkeit herauszufinden.
Gibt es einen zuverlässigen Test, ob man histaminintolerant ist?
Es gibt einen Test, bei dem Histamin auf die Haut gegeben wird (Pricktest), um zu sehen, ob es eine Schwellung verursacht. Nach rund 50 Minuten schaut man sich die Hautstelle nochmal an. Wenn die Schwellung noch genauso groß ist wie am Anfang, könnte das bedeuten, dass der Körper Histamin langsamer abbaut. Dieser Test zeigt allerdings nur, wie die Haut reagiert. Er sagt nicht, ob der Körper das Histamin aus Lebensmitteln ebenso schlecht abbaut. Deshalb ist der Test nicht wirklich zuverlässig.
Was ist der DAO-Wert und ist er im Blut aussagekräftig?
Als Testverfahren steht zur Debatte, die Aktivität von DAO – also dem Enzym im Körper, das Histamin abbaut – im Blut zu messen. Die Idee dabei ist, dass bei einem niedrigen DAO-Wert Aussagen über eine Histaminintoleranz getroffen werden können. Diese Messung im Blut ist allerdings nicht zuverlässig. Denn Menschen mit Beschwerden haben oft ähnliche Werte wie Gesunde. DAO ist im Blut außerdem kaum vorhanden – sondern vor allem im Darm, in der Niere oder anderen Geweben. Der Blutwert selbst sagt daher nicht viel darüber aus, wie gut Histamin im Körper wirklich abgebaut wird. Man vermutet, dass es sinnvoller wäre, DAO direkt im Darm zu messen, was allerdings noch nicht ausreichend erforscht ist.
Warum sagen manche Ärzt:innen, Histaminintoleranz gibt es nicht?
Die Beschwerden zeigen sich bei jeder Person anders. Das bedeutet, Symptome sind unspezifisch und reichen von z. B. Kopfschmerzen über Schwindelgefühle bis hin zu Bauchproblemen, die wiederum viele Ursachen haben können. Überdies gibt es derzeit keinen zuverlässigen Test und entsprechend fehlen klare wissenschaftliche Daten. Deshalb sind sich Ärzt:innen nicht einig, ob es eine Histaminintoleranz im Sinne einer Krankheit als solche gibt.
Behandlung: So wird Histaminintoleranz behandelt
Um einen Umgang mit der Histaminunverträglichkeit zu finden, können Sie unterschiedliche Ärzt:innen und Fachstellen aufsuchen. Dazu zählen:
- Allgemeinmediziner:innen
- Gastroenterolog:innen
- Allergolog:innen
- Diätolog:innen
Bei der Behandlung der Histaminintoleranz geht es typischerweise in weiterer Folge vor allem um individuelle Ernährungspläne, für die zunächst beobachtet wird, was man persönlich gut verträgt. Ziel ist eine individuell auf die eigene Symptomatik abgestimmte Dauerernährungsform, mit der möglichst wenige Beschwerden bei gleichzeitig guter Lebensqualität auftreten.
Medikamente bei Histaminintoleranz
Antihistaminika, sofern von Ärzt:innen verschrieben, können Beschwerden lindern. Auch DAO-Kapseln werden oft angeboten, um die Symptome der Histaminintoleranz zu lindern, aber ihre Wirkung ist nicht bewiesen.
Umgekehrt gibt es Medikamente, die eine verstärkte Histaminfreisetzung auslösen oder zu einem reduzierten Abbau von Histamin führen können. Normalerweise lassen entsprechende Beschwerden wieder nach, sobald das Arzneimittel abgesetzt ist. Zu den möglichen Präparaten gehören u. a.:
- Kontrastmittel für Röntgen
- bestimmte Muskelrelaxantien wie Suxamethonium
- manche Schmerzmittel (z. B. Acetylsalicylsäure oder Diclofenac)
- bestimmte örtliche Betäubungsmittel
- etwaige Blutdruck- und Herzmedikamente
- manche harntreibenden Präparate
- bestimmte Antibiotika
Was kann ich selbst bei Histaminintoleranz tun?
Sind andere Erkrankungen ausgeschlossen, geht es zumeist um eine Ernährungsumstellung. Dafür ist insbesondere Selbstbeobachtung wichtig: Welche Lebensmittel lösen vorwiegend Beschwerden aus? In welchem Zusammenhang (bei Frauen z. B. rund um die Menstruation) oder durch die Kombination mit welchen Arzneimitteln werden Symptome beobachtet? Mithilfe eines konstant geführten Ernährungstagebuchs können Sie langfristig so eine individuelle Ernährungsweise zusammenstellen, die zu möglichst beschwerdefreien Phasen führt. Überdies können Sie auftretende Beschwerden symptomatisch lindern. Diesbezüglich sind auch bestimmte Arzneipflanzen aus der Phytotherapie hilfreich: Juckreiz der Haut kann etwa durch Zubereitungen mit Hamamelis gelindert werden. Bei Bauchkrämpfen oder Blähungen haben sich Kümmel und Pfefferminze zur pflanzlichen Linderung bewährt.
Zusammenfassung: Histaminintoleranz
Lesen Sie hier die wichtigsten Aspekte zur Histaminunverträglichkeit noch einmal übersichtlich zusammengefasst:
- Histamin: Ist ein biogenes Amin und Gewebshormon, das im Körper gebildet wird und unter anderem bei Entzündungsreaktionen als Botenstoff wirkt.
- Vorkommen: Histamin kommt in vielen Geweben (z. B. Haut, Darm, Lunge, Gehirn) vor und ist auch in Lebensmitteln enthalten, besonders in fermentierten oder gereiften Produkten.
- Funktionen im Körper: Histamin ist an Blutdruckregulation, Magensäureproduktion, Darmbewegung, Zellwachstum und Gehirnfunktionen wie Gedächtnis und Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt.
- Abbau: Der Körper baut Histamin hauptsächlich über die Enzyme DAO und HNMT ab, die in verschiedenen Organen und Geweben vorkommen.
- Histamin in Lebensmitteln: Histamin entsteht vor allem bei Reifung, Gärung und Verderb von Lebensmitteln und kann in sehr unterschiedlichen Mengen vorkommen.
- Histaminintoleranz: Bei einer Histaminintoleranz ist der Abbau von Histamin gestört, wodurch es zu einer Anreicherung im Körper und zu Beschwerden kommt.
- Häufigkeit: Etwa 1 bis 3 % der Menschen sind betroffen, häufiger Frauen als Männer, meist im Alter zwischen 20 und 40 Jahren.
- Ursache: Vermutet wird eine eingeschränkte Aktivität der Enzyme DAO und HNMT, wodurch Histamin nicht ausreichend abgebaut werden kann.
- Nicht nur Histamin: Auch andere biogene Amine oder Faktoren wie Alkohol und Hormonschwankungen können Beschwerden verstärken.
- Abgrenzung zu Allergie: Histaminintoleranz ist keine Allergie, sondern eine Stoffwechselstörung bzw. Unverträglichkeit.
- Symptome: Typische Beschwerden sind Hautreaktionen, Kopfschmerzen, Migräne, Magen-Darm-Probleme, Herzrasen, Schwindel und Atembeschwerden.
- Lebensmittel: Besonders histaminreich sind fermentierte, gereifte oder lange gelagerte Lebensmittel wie alter Käse, Wurst, Sauerkraut, Alkohol und bestimmte Fische.
- Kaffee und Alkohol: Alkohol hemmt den Histaminabbau und auch Kaffee kann indirekt Beschwerden verstärken, obwohl er selbst kaum Histamin enthält.
- Diagnose: Eine Histaminintoleranz ist nicht eindeutig testbar und wird meist über Ausschlussdiagnostik und Symptombeobachtung festgestellt.
- Selbsttest: Häufig werden Diäten mit anschließender Wiedereinführung von Lebensmitteln zur individuellen Einschätzung genutzt.
- Behandlung: Im Mittelpunkt stehen Ernährungsanpassung und das Vermeiden persönlicher Auslöser.
- Medikamente: Antihistaminika können helfen, während DAO-Präparate umstritten und wissenschaftlich nicht eindeutig belegt sind.
- Selbsthilfe: Betroffene beobachten ihre Ernährung, vermeiden Auslöser und können unterstützend auch symptomlindernde Maßnahmen einsetzen.
Diese Themen könnten Sie interessieren:
- Gaspan®
- Gaspan® Wirkung
- Blähungen
- Völlegefühl
- Flatulenzen
- Pfefferminze
- Kümmel
- Phytotherapie
- Magenschleimhaut
- Blähbauch
- Bauchschmerzen
- Gastritis
- Laktoseintoleranz
- Tipps gesunde Verdauung
- Nahrungsmittelunverträglichkeit
- Verstopfung
- Übelkeit
- Verdauungsprobleme
- Hämorrhoiden
- Bauchkrämpfe
- Minze anbauen
- Minze Rezepte
- Dyspepsie
- Magen
- Magenprobleme durch Stress
- Verdauungssystem
- Mikrobiom
- Darmgesundheit
- Motilität
- Darm
- Darmflora
- Reizdarm
- Darm-Hirn-Achse
- Histaminintoleranz
Autoren: Redaktionsteam Schwabe Austria
Disclaimer: Die Informationen auf dieser Website sind keinesfalls ein Ersatz für den persönlichen Besuch bei Arzt, Apotheker oder anderen medizinischen Fachpersonen. Die Gesundheitsartikel sind als Impulse zu verstehen, mit dem Ziel, sich näher mit Themen der eigenen Gesundheit auseinanderzusetzen und entsprechende Unterstützung zu suchen.
Quellen:
Histamin, Gesundheitsinformation.de, https://www.gesundheitsinformation.de/glossar/histamin.html
Histaminintoleranz – Einleitung, DocMedicus, https://www.gesundheits-lexikon.com/Allergien-PseudoallergienNahrungsmittel-unvertraeglichkeiten/Histaminintoleranz/Einleitung
Histamin, DocCheck Flexikon, https://flexikon.doccheck.com/de/Histamin
Stephanie Morcinek, Katrin Andre, Histaminunverträglichkeit – das sind die Ursachen und Symptome, https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/magen-und-darmerkrankungen/histaminintoleranz-ursachen-symptome-diagnose-808847.html
I. Reese, B. Ballmer-Weber, K. Beyer, S. Dölle-Bierke, J. Kleine-Tebbe, L. Klimek, S. Lämmel, U. Lepp, J. Saloga, C. Schäfer, Z. Szépfalusi, R. Treudler, T. Werfel, T. Zuberbier und M. Worm, Leitlinie zum Vorgehen bei Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin, Allergologie, Jahrgang 44, Nr. 10/2021, S. 761-772, https://register.awmf.org/assets/guidelines/061-030l_S1_Vorgehen-bei-Verdacht-auf-Unvertraeglichkeit-gegenueber-oral-aufgenommenem-Histamin_2022-03.pdf
Histaminintoleranz, Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/stoffwechsel/nahrungsmittelunvertraeglichkeit/histaminintoleranz.html#welche-ursachen-hat-eine-histaminintoleranz
Dr. med. Kai Wiemer, im Interview von Sabine Jossé M. A., Histaminintoleranz: Wie wirken sich Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre aus?, https://www.mein-allergie-portal.com/histaminintoleranz/941-histaminintoleranz-und-hormone-pille-schwangerschaft-wechseljahre.html
Histaminunverträglichkeit erkennen und behandeln, ARD gesund, https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Histaminintoleranz-erkennen-und-behandeln,histamin100.html
Probiotikaauswahl bei Histaminbelastung, IMD Institut für Medizinische Diagnostik Berlin-Potsdam GbR, https://www.imd-berlin.de/fachinformationen/diagnostikinformationen/300-399/351-probiotikaauswahl-bei-histaminbelastung
Reizdarmsyndrom: Histamin, der Schmerzfaktor, DocCheck Flexion, https://www.doccheck.com/de/detail/articles/39600-reizdarmsyndrom-histamin-der-schmerzfaktor
Dr. Frank-Chris Schoebel, Histaminintoleranz – Herzstolpern, Herzrasen, Blutdruckschwankungen, https://www.cardiopraxis.de/histaminintoleranz-herzstolpern-herzrasen-blutdruckschwankungen/