Aktualisiert: 22.07.2026
Schmerzskala: So gibt man Schmerzen an
Ob Blauer Fleck, Schwellung, Prellung, Zerrung, Verstauchung oder Verrenkung – Schmerzen verursachen alle stumpfen Verletzungen mehr oder minder stark. Schmerz tritt allerdings nicht nur aufgrund akuter Verletzungen auf, sondern kann auch chronisch sein. Abbauende Prozesse im Körper können etwa anhaltende Schmerzen in den Gelenken (wie z. B. Knieschmerzen) oder im Rücken verursachen. Schmerzen sind somit unterschiedlich und eine Frage der Art der Verletzung und vor allem der Wahrnehmung. Wichtig auf dem Behandlungsweg von Schmerzen ist also, über den Schmerz sprechen zu können: Ihn eindeutig zu bewerten, auf einer Skala einzuordnen. Das hilft dabei, den Schmerz im Verlauf zu beobachten und mit entsprechenden Behandlungen weiter zu gehen. Es gibt mehrere Arten der sogenannten Schmerzskala.
Übersicht zur Schmerzskala
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Pflanzen bei Schmerzen -
Schmerzskala und Schmerzstärke -
Beschreibung von Schmerzen -
7 Schmerzskala-Typen -
Schmerzskala numerisch: Bedeutung der Zahlen 1-10 -
Schmerzskala visuell -
Schmerzskala verbal -
Schmerzskala mit Gesichtern -
Schmerzskala mit Smiley -
Schmerzskala bei Kopfschmerzen: KIP -
Schmerzskalen für Kinder -
FAQ -
Weitere Themen
Pflanzen bei Schmerzen
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Was ist eine Schmerzskala?
Eine Schmerzskala ist eine Art Kommunikationsmittel, mit dem das subjektive Schmerzerleben von Patient:innen erfasst wird. Damit kann die Intensität des Schmerzes beschrieben und sein Verlauf individuell festgehalten werden. Es gibt verschiedene gängige Arten von Schmerzskalen.
Wie wird Schmerzstärke gemessen?
Ein sicheres Messverfahren, mit dem Schmerzen von Menschen ohne deren Mitwirkung ermittelt werden können, gibt es derzeit nicht. Allerdings können Schmerzen und deren Veränderung durch die Mithilfe von Patient:innen gemessen werden, indem Skalen verwendet werden, auf denen Betroffene ihr Schmerzempfinden subjektiv einschätzen.
Ist Schmerzempfinden objektiv?
Muskelkater? An der Tischkante angestoßen? Umgeknickt? Ein Hexenschuss? Oder eine Sportverletzung zugezogen? Schmerz ist ein subjektives Empfinden, an dem verschiedene Hirnareale beteiligt sind und das wird sogar bei ein und derselben Person nicht immer gleich erlebt. Die Wahrnehmung von Schmerz wird durch viele verschiedene Faktoren beeinflusst.
Faktoren für Schmerzempfinden:
- Stärke des Schmerzreizes
- Beschaffung des betroffenen Gewebes
- Genetische Aspekte
- Verstoffwechselung von Neurotransmittern
- Gemütszustand
- Erwartung und Aufmerksamkeit
Die Psyche gilt beim Schmerzempfinden als relevanter Aspekt. Denn unsere Gemütslage kann in unterschiedlichen Situationen für eine Verstärkung sowie für die Dämpfung des Schmerzes sorgen. Durch bildgebende Verfahren kann sichtbar gemacht werden, dass gute Laune eher für gedämpftes Schmerzempfinden sorgt, während eine negative Stimmung Schmerzen tendenziell verstärkt.
Beschreibung von Schmerzen
Wie stark sind meine Schmerzen – wo liege ich?
Wie stark die eigenen Schmerzen sind, lässt sich immer nur subjektiv beurteilen. Was für eine Person eine 7 von 10 auf der Skala ist, ist für eine andere eine 4 und für wieder andere kaum mehr auszuhalten. Für manche Menschen kann es allerdings hilfreich sein, sich zur Einschätzung der eigenen Schmerzstärke an folgenden Fragen zu orientieren:
- Können Sie sich noch normal konzentrieren?
- Vermeiden Sie Bewegungen wegen des Schmerzes?
- Wachen Sie in der Nacht davon auf?
- Denken Sie ununterbrochen an den Schmerz?
- Wie gut ist der Alltag mit diesem Schmerz noch zu bewältigen?
- Sind die Schmerzen eher störend oder kaum auszuhalten?
- Benötigen Sie Schmerzmittel?
Wie beschreibe ich meinen Schmerz richtig?
Neben der Intensität des Schmerzes kann es für die Diagnose sowie richtige Behandlung wichtig sein, dass Sie Ihren Schmerz auch nach Dauer sowie seiner Art (Qualität) beschreiben können. Hinsichtlich der Dauer gelten Schmerzen, die bereits über ein halbes Jahr anhalten, als chronische Schmerzen. Es werden auch wiederkehrende Schmerzen, wie es etwa bei Migräne der Fall ist, zu den chronischen Schmerzen gezählt, sofern der Schmerz monatlich an zumindest 15 Tagen auftritt.
Zur Beschreibung der Schmerzqualität überlegen Sie, welche(r) der genannten Begriffe am ehesten zu Ihrem Schmerz passt, z. B.:
- stechend
- dumpf
- drückend
- klopfend
- hell
- ziehend
- pulsierend
- bohrend
- reißend
- krampfartig
Was muss man bei Schmerzskalen beachten?
Bei der Verwendung von Schmerzskalen ist wichtig, dass sie alters- sowie entwicklungsgerecht eingesetzt werden. Außerdem ist zu beachten, dass für die Verlaufskontrolle der Schmerzen immer die gleiche Skala herangezogen werden muss.
Welche Schmerzskalen gibt es? - Die 7 Typen der Schmerzskala
Um die Schmerzstärke sowie die Veränderung von Schmerzen objektiv messbar zu machen, werden sogenannte Schmerzskalen herangezogen. Es gibt verschiedene Skalen zur Schmerzermittlung, die je nach Alter und Entwicklungsstufe eingesetzt werden können. Zu den bekanntesten Schmerzskalen gehören die folgenden 7 Skalen:
- Numerische Rating-Skala (NRS)
- Visuelle Analogskala (VAS)
- Smiley-Analogskala (SAS)
- Verbale Rating-Skala (VRS)
- Faces Pain Scale-Revised (FPS-R)
- KIP-Skala
- KUS-Skala (KUSS)
Im Umgang mit erwachsenen Patient:innen ist die Numerische Rating-Skala eine der gängigsten Methoden, um die erlebte Schmerzstärke zu ermitteln.
Schmerzskala 1: NRS – Numerische Rating-Skala
Die numerische Rating-Skala (NRS) dient dazu, mithilfe der Zahlen von 0 bis 10 zu beziffern, wie stark ein Schmerz wahrgenommen wird. 0 gilt dabei als schmerzfrei und 10 als der stärkste vorstellbare Schmerz. Patient:innen werden um eine Einordnung gebeten, wo auf der Skala von 0 bis 10 sie ihren Schmerz aktuell erleben.
Nicht immer ist es für Betroffene einfach, den Skalen-Wert ihrer Schmerzen einzuschätzen. Die folgende Übersicht kann dabei helfen.
0: Kein Schmerz
0 auf der Skala steht für Schmerzfreiheit. Wenn Sie keinen Schmerz verspüren, ist 0 die passende Einordnung auf der Skala.
1: Kaum wahrzunehmen
Ist der empfundene Schmerz so gering, dass er im Alltag kaum wahrgenommen wird, ist 1 die passende Zahl auf der Schmerzskala. In diesem Bereich der Skala verursacht der Schmerz keinerlei Einschränkungen.
2: Geringe Schmerzstärke
Die 2 auf der Skala ist dann die passende Ziffer, wenn Sie einen leichten Schmerz verspüren, den Sie zwar wahrnehmen, aber eher als Hintergrundrauschen erleben. Sie können mit dem Schmerz Ihren Alltag gut meistern und erleben keine Einschränkung in der Konzentration und keinen Einfluss auf Ihren Gemütszustand.
3: Milder Schmerz
Ein Schmerzgefühl auf dem Skalenwert 3 wird benannt, wenn der Schmerz zwar bewusst zu spüren ist und Aufmerksamkeit auf sich zieht, allerdings noch in einer Intensität ist, an die man sich gewöhnen kann. Man kann den Schmerz einfach ignorieren und seinen Alltag ungestört fortsetzen.
4: Moderater Schmerz
Bei Ablenkung kann der Schmerz auf der 4 noch für einige Zeit ignoriert werden. Allerdings wird der Schmerzreiz nun dauerhaft wahrgenommen. Wenn Sie sich bereits leicht durch den Schmerz eingeschränkt fühlen und er Ihnen Unbehagen bereitet, gilt er auf der Schmerzskala als eine 4.
5: Mäßiger Schmerz
Mäßige Schmerzen können maximal ein paar Minuten ignoriert werden. Sie stören die Konzentration und zwingen zu Pausen. Um etwas konzentriert zu erledigen oder für soziale Aktivitäten benötigt es bereits aktive Anstrengung, um den Schmerz dabei auszuhalten.
6: Mittelstarker Schmerz
Wenn der Schmerz bereits den Alltag einschränkt und normale Handlungen des täglichen Lebens spürbar beeinträchtigt sind, wird er als mittelstarker Schmerz auf der 6 der Skala eingeordnet. Bei mittelstarken Schmerzen fällt es bereits schwer, sich zu konzentrieren.
7: Starker Schmerz
Auf der 7 der Schmerzskala bestimmt der Schmerz die Wahrnehmung. Solche starken Schmerzen schränken Alltagstätigkeiten sowie soziale Kontakte relevant ein. Die psychische Belastungsgrenze ist langsam erreicht. Ruhephasen und erholsames Schlafen werden von starken Schmerzen deutlich beeinträchtigt.
8: Sehr starker Schmerz
Die 8 signalisiert einen sehr starken Schmerz, der körperliche Aktivitäten erheblich einschränkt. Dieser intensive Schmerz verunmöglicht die meisten Tätigkeiten und selbst Gespräche sind nur unter großer Anstrengung möglich. Der Schmerz ist so stark, dass man kaum an etwas anderes denken kann.
9: Unerträglicher Schmerz
Auf einer 9 ist die Schmerzstärke bereits unerträglich. Ein Gespräch ist nicht mehr möglich und auch klares Denken ist nicht mehr vorhanden. Betroffene schreien oder stöhnen unter qualvollen Schmerzen.
10: Unbeschreiblicher Schmerz
10 gilt als der stärkste mögliche Schmerz. Patient:innen erleben maximale Schmerzempfindungen, die zu enormer Panik oder Ohnmacht führen können. Die Schmerzen sind absolut nicht auszuhalten.
Schmerzskala 2: VAS – Visuelle Analogskala
Das subjektive Schmerzempfinden kann auch mithilfe der visuellen Analogskala (VAS) gemessen werden. Häufig findet man die VAS in Form eines Balkens, an dessen linkem Rand sich eine 0 für Schmerzfreiheit und am rechten Rand sich eine 10 für maximalsten Schmerz befindet. Auf diesem Balken oder der Strecke, die teilweise auch noch farblich abgestuft sein kann, tragen Betroffene ihre Empfindungen ein. Im Laufe einer Therapie können aktuelle Einträge auf dieser Skala einen Überblick über Schmerzverlauf und Erfolg der Behandlung liefern.
Schmerzskala 3: VRS – Verbale Rating-Skala
Dabei handelt es sich um eine verbale Form der Schmerzbewertung, bei der die Intensität des Schmerzes statt mit Zahlen mit einzelnen Beschreibungen („deskriptiv“) angegeben wird. Typischerweise müssen die Schmerzen den folgenden Begriffen zugeordnet werden:
- Kein Schmerz
- Leichter Schmerz
- Mäßiger Schmerz
- Starker Schmerz
- Sehr starker Schmerz
- Stärkster vorstellbarer Schmerz
Schmerzskala 4: FPS-R – Faces Pain Scale-Revised
Bei der FPS-R Schmerzskala werden sechs Gesichtsausdrücke abgebildet und Patient:innen sollen anhand dieser Ausdrücke einschätzen, wo sie ihren eigenen Schmerz zuordnen würden. Diese Schmerzskala kann bereits bei Kindern ab 4 Jahren angewendet werden und kommt auch bei Betroffenen von Demenz zum Einsatz. Außerdem kann sie bei fehlenden Sprachkenntnissen hilfreich sein. Im Gegensatz zur Smiley-Analogskala (siehe unten) enthält diese Skala kein weinendes Gesicht. Von Buben und Männern wird der weinende Ausdruck teilweise als Verzweiflung oder Schwäche missinterpretiert, was zu Verfälschungen führen kann.
Schmerzskala 5: SAS – Smiley-Analogskala
Die Smiley-Analogskala ermöglicht es, das subjektive Schmerzempfinden ab dem Alter von 4 Jahren zu erfassen. Auch in Situationen, in denen die Sprache eingeschränkt ist oder es Verständigungsschwierigkeiten gibt, kann diese Schmerzskala hilfreich sein. Sie bildet die Intensität von Schmerz mithilfe von sechs einfachen Gesichtern ab, die an Emojis erinnern. Die SAS ist ebenso zur Schmerzanamnese und Verlaufskontrolle bei Menschen mit Demenz geeignet.
Schmerzskala 6: KIP-Skala
Die KIP-Skala ist ein sehr spezifisches Messinstrument für die subjektiv empfundene Schmerzstärke bei Cluster-Kopfschmerzen. Sie wurde von einem Betroffenen namens Bob Kipple entwickelt und verwendet alltagsnahe Bezeichnungen für diese Art von Kopfschmerzen.
- Schmerzstufe 0: Keine Schmerzen, das Leben ist großartig!
- Schmerzstufe 1: Sehr leichte Schmerzen, kommen und gehen. Das Leben ist immer noch wunderbar.
- Schmerzstufe 2: Hartnäckigere, aber geringe Schmerzen.
- Schmerzstufe 3: Die Schmerzen werden konstant, aber man kann noch damit umgehen.
- Schmerzstufe 4: Es beginnt, schlimmer zu werden, man möchte allein sein.
- Schmerzstufe 5: Schmerzen sind störend und stärker, noch auszuhalten, aber man braucht Abstand und Ruhe.
- Schmerzstufe 6: Man wacht von den Schmerzen bereits mürrisch auf, kann aber wieder einschlafen.
- Schmerzstufe 7: Man wacht auf, an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Man wandert herum, fällt schließlich erschöpft ins Bett zurück.
- Schmerzstufe 8: Zeit, zu schreien und zu brüllen. Man möchte am liebsten den Kopf gegen etwas schlagen, im verzweifelten Versuch, den Schmerz zu lindern, oder man wiegt sich hin und her.
- Schmerzstufe 9: Das „Warum ich?“-Syndrom setzt bei großer Verzweiflung ein.
- Schmerzstufe 10: Extremer, größtmöglicher Schmerz, Betroffene schreien, möchten in die Notaufnahme und denken an Suizid.
Die KIP-Skala gilt im Moment nicht als wissenschaftsbasiert.
Schmerzskalen bei Kindern
Je kleiner Kinder sind, desto schwieriger ist die Erfassung ihrer erlebten Schmerzstärke. Vor allem dann, wenn sie noch zu jung sind, um selbsteinschätzende Aussagen zu treffen. Welche Schmerzskala bei Kindern also herangezogen wird, hängt stark von ihrem Alter und ihrer entwicklungsbedingten Fähigkeit der Selbsteinschätzung ab. Grundsätzlich ist zur Einschätzung der kindlichen Schmerzen bei Babys und Kleinkindern vorwiegend eine genaue Beobachtungsgabe wesentlich.
Ab dem Schulalter können für die Schmerzerfassung bereits die Skalen herangezogen werden, die auch bei Erwachsenen verwendet werden. Vor dem Schulalter haben sich die folgenden Schmerzskalen für Kinder bewährt.
Schmerzskala ab 4 Jahren: Faces Pain Scale nach Hicks
Mit der Gesichtsskala nach Hicks fällt es Kindern leichter, die Schmerzstärke mitzuteilen. Sie kann etwa ab 4 Jahren angewendet werden. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Gesichter trotz ihrer auf den ersten Blick ungewöhnlichen Optik den Schmerz recht genau erfassbar machen.
Wichtig für eine klare Schmerzerfassung ist, dass die Skala davor entsprechend erklärt wird. Man kann z. B. sagen, dass das Kind nun Gesichter sehen wird, die zeigen, wie stark etwas weh tun kann. Zeigen Sie etwa auf das linke Gesicht und erklären: „Das Gesicht zeigt, dass einem überhaupt nichts weh tut.“ Dann gehen Sie nach der Reihe vor und erklären, dass die Ausdrücke zeigen, wie es mehr und mehr weh tut oder schmerzt – je nachdem, welcher Ausdruck für das Kind schlüssiger ist. Das letzte Bild wird erklärt damit, dass etwa bereits ganz, ganz stark wehtut bzw. schmerzt. Danach kann man das Kind ersuchen: „Zeig’ doch bitte einmal auf das Gesicht, das am besten zeigt, wie stark es dir wehtut (bzw. wie stark deine Schmerzen sind).“
Sie sollten beim Erklären der Gesichtsausdrücke vermeiden, Gefühlserklärungen wie „zufrieden“, „traurig“ oder „verzweifelt“ zu verwenden, da die Mimik ausschließlich der Schmerzmessung dient. Deshalb hat sich die Gesichtsskala auch in Abgrenzung zur klassischen Smiley-Skala bei Kindern bewährt, da die Emoji-artigen Gesichter von ihnen z. B. mit Traurigkeit verwechselt werden. Außerdem sollten Kindern mögliche Zahlen unter den Gesichtern nicht gezeigt werden. Man ordnet ihnen von links nach rechts grundsätzlich die Zahlen 0 (kein Schmerz), 2, 4, 6, 8 und 10 (stärkster Schmerz) zu. Der therapeutische Schwellenwert liegt bei vier, also dem dritten Gesicht. Das bedeutet, dass ab diesem Punkt eine Schmerztherapie eingeleitet werden muss.
Schmerzskala von 0 bis 4 Jahren: KUS-Skala
Bei Babys und Kleinkindern kommt die KUS-Skala nach Büttner zum Einsatz. Die Abkürzung steht für „Kindliche Unbehagens- und Schmerzskala“. Sie wird nicht nur bei Säuglingen und Kleinkindern bis zum Ende des 4. Lebensjahres eingesetzt, sondern kann auch der Schmerzerfassung von Patient:innen mit Mehrfachbehinderungen dienen bzw. zur Einschätzung bei Menschen, die sich nicht äußern können.
Die Skala besteht aus insgesamt fünf Kategorien:
- Weinen
- Gesichtsausdruck
- Rumpfhaltung
- Beinhaltung
- Motorische Unruhe
Für jede der Kategorien ist jeweils nur eine Aussage gültig. Für jede Beobachtung werden entsprechende Punkte vergeben – maximal können 10 Punkte erreicht werden.
- Weinen: 0 = Gar nicht, 1 = Stöhnen, Jammern, Wimmern, 2 = Schreien
- Gesichtsausdruck: 0 = Entspannt, lächelt, 1 = Mund verzerrt, 2 = Mund und Augen grimassiert
- Rumpfhaltung: 0 = Neutral, 1 = Unstet, 2 = Aufbäumen, Krümmen
- Beinhaltung: 0 = Neutral, 1 = Strampelnd, tretend, 2 = An den Körper gezogen
- Motorische Unruhe: 0 = Nicht vorhanden, 1 = Mäßig, 2 = Ruhelos
Die Beobachtungsdauer liegt bei 15 Sekunden. Die Dringlichkeit zur Schmerztherapie ist ab dem Wert von 4 gegeben und nimmt mit jedem Punkt zu. Die KUS-Skala wurde wissenschaftlich darauf überprüft, ob sie zuverlässig und korrekt Schmerzen nach einer Operation misst. Diese Validierung bezieht sich also speziell auf postoperative Schmerzen. Das heißt nicht automatisch, dass die Skala in gleicher Weise für andere Schmerzarten wissenschaftlich abgesichert ist.
Neonatologie: Berner Schmerzscore
Im Bereich der Neonatologie, also der medizinischen Betreuung von Neugeborenen, Babys und Frühgeborenen kommt der Berner Schmerzscore zum Einsatz. Entwickelt wurde er von Eva Cignacco, einer Schweizer Pflegewissenschafterin, die die Skala ebenso wissenschaftlich geprüft hat. Sie besteht aus den folgenden 8 Kategorien.
- Schlaf
- Weinen
- Beruhigung
- Hautfarbe
- Gesichtsmimik
- Körperausdruck
- Atmung
- Herzfrequenz
Rund 3 Minuten lang werden die Kategorien auf Veränderungen hin beobachtet, entsprechend mit 0 bis 3 Punkten eingestuft und schließlich zusammengezählt. Aus der Summe ergibt sich ein Schmerzgrad. Ein höherer Score spricht für stärkere Schmerzen und gibt Anlass, die Schmerztherapie einzuleiten bzw. anzupassen.
FAQ: Die wichtigsten Antworten zur Schmerzskala
Lesen Sie hier kurz zusammengefasst Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Schmerzskalen.
Was ist eine Schmerzskala und wofür wird sie verwendet?
Eine Schmerzskala dient dazu, das subjektive Schmerzempfinden von Patient:innen zu erfassen und zu beschreiben. Sie unterstützt dabei, Schmerzintensität und deren Veränderung im Zeitverlauf nachvollziehbar zu dokumentieren.
Kann Schmerz objektiv gemessen werden?
Ein objektives Messverfahren zur Schmerzerfassung ohne Mitwirkung der betroffenen Person steht derzeit nicht zur Verfügung. Schmerzen werden daher überwiegend über subjektive Selbsteinschätzung mithilfe standardisierter Skalen erfasst.
Welche Faktoren beeinflussen das Schmerzempfinden?
Schmerz wird individuell wahrgenommen und kann selbst bei derselben Person unterschiedlich erlebt werden. Einflussfaktoren sind unter anderem Schmerzreiz, Gewebebeschaffenheit, genetische Aspekte, Neurotransmitter-Stoffwechsel, Aufmerksamkeit, Erwartung und Gemütszustand.
Welche Schmerzskalen werden in der Praxis eingesetzt?
Es existieren verschiedene Schmerzskalen, die je nach Alter, Entwicklungsstand und Kommunikationsfähigkeit eingesetzt werden. Zu den häufig verwendeten Verfahren zählen numerische, visuelle, verbale und gesichtsbasierte Skalen.
Was ist bei der Anwendung von Schmerzskalen zu beachten?
Schmerzskalen sollten alters- und entwicklungsgerecht ausgewählt werden. Für die Verlaufskontrolle empfiehlt sich die wiederholte Anwendung derselben Skala, um Veränderungen vergleichbar zu erfassen.
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Autoren: Redaktionsteam Schwabe Austria
Disclaimer: Die Informationen auf dieser Website sind keinesfalls ein Ersatz für den persönlichen Besuch bei Arzt, Apotheker oder anderen medizinischen Fachpersonen. Die Gesundheitsartikel sind als Impulse zu verstehen, mit dem Ziel, sich näher mit Themen der eigenen Gesundheit auseinanderzusetzen und entsprechende Unterstützung zu suchen.
Quellen:
Bernadette Bächle-Helde, Wie weh tut es?, JuKiP 2013; 2: 164–167, Georg Thieme Verlag KG, https://www.thieme.de/statics/dokumente/thieme/final/de/dokumente/zw_jukip/Jukip_wie_weh_tut_es.pdf
Zusammenfassung von lebenshilfe.de, aus Helga Schlichting, Myriel Gelhaus, Florian Nüßlein, Herausforderung Schmerzen bei Menschen mit geistiger und Komplexer Behinderung – Ein Praxisbuch, abgerufen unter https://www.lebenshilfe.de/fileadmin/user_upload/Stufenbeschreibung_Schmerzskala.pdf?srsltid=AfmBOorT8argvY1PoJP2XpMBaFe88JVr6yoAuHIvBgdiPWUrbQOeWX2w
Raimond Hoche, Messung der Schmerzstärke, Deutsche Schmerzgesellschaft e.V., https://www.schmerzgesellschaft.de/patienteninformationen/schmerzdiagnostik/messung-der-schmerzstaerke
Schmerz ist subjektiv, Pharmazeutische Zeitung, https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-122015/schmerz-ist-subjektiv/
Schmerz, DocCheck Flexikon, https://flexikon.doccheck.com/de/Schmerz
WHO-Stufenschema, DocCheck Flexikon, https://flexikon.doccheck.com/de/WHO-Stufenschema
OUCH (UK) – Organisation for the Understanding of Cluster Headache, THE KIP SCALE, https://ouchuk.org/sites/default/files/downloads/kip_scale_0.pdf
Universitätsspital Bern, BSN-R Deutsch_revidiert nach Beurteilung Inhaltsvalidität und Besprechung vom 22.01.2020/korrigiert am 24.02.2020, Manual zum Berner Schmerzscore für Neugeborene-Revidiert (BSN-R), https://www.bfh.ch/dam/jcr:5949f752-105d-426f-8a69-ca57f78a1997/Manual_BSN-R_Februar%202020.pdf
Numerische Rating-Skala, DocCheck Flexikon, https://flexikon.doccheck.com/de/Numerische_Rating-Skala
Visuelle Analogskala, DocCheck Flexikon, https://flexikon.doccheck.com/de/Visuelle_Analogskala
Verbale Rating-Skala, DocCheck Flexikon, https://flexikon.doccheck.com/de/Verbale_Rating-Skala
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Smiley-Analogskala, DocCheck Flexikon, https://flexikon.doccheck.com/de/Smiley-Analogskala
KIP-Skala, DocCheck Flexikon, https://flexikon.doccheck.com/de/KIP-Skala
KUS-Skala, DocCheck Flexikon, https://flexikon.doccheck.com/de/KUS-Skala