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Aktualisiert: 30.08.2024

Wann Sie mit Verstopfung zum Arzt müssen

Verdauungsprobleme sind leider keine Seltenheit. Insbesondere eine Verstopfung kann unangenehm bis schmerzhaft und sogar bedrohlich werden. Bei welchen Anzeichen Sie mit einer Verstopfung ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen sollten.

Verstopfung (Obstipation)- Wann soll oder muss man zum Arzt? - © Canva
Verstopfung (Obstipation)- Wann soll oder muss man zum Arzt? - © Canva

Es gibt zahlreiche Verdauungsprobleme, von denen Menschen betroffen sein können. Neben Blähungen, Völlegefühl, Sodbrennen und Durchfall kann durch ein Ungleichgewicht im Verdauungstrakt auch Verstopfung (Obstipation) auftreten. In vielen Fällen lassen sich Verstopfungen mit einfachen Anpassungen der Ernährung sowie des Lebensstils lösen. Doch es kann auch sein, dass eine medizinische Behandlung erforderlich wird. In diesem Artikel erfahren Sie, wann Sie mit einer Verstopfung zur Ärztin oder zum Arzt müssen.

Was ist Verstopfung?

Bei einer Verstopfung (medizinisch Obstipation) handelt es sich um eine Verstopfung des Stuhls im Darm. Es kann sich um eine akute, also plötzlich auftretende, Stuhlverstopfung handeln oder um eine chronische Obstipation. Damit ist das Auftreten einer Verstopfung über einen längeren Zeitraum gemeint.

Symptome einer Verstopfung

Eine Verstopfung kann sich durch unterschiedliche Symptome zeigen:

  • Konsistenz: Der Stuhl ist zu hart, er hat eine zu hohe Konsistenz.
  • Dauer: Der Stuhl verweilt zu lange im Darm.
  • Volumen: Das Volumen des Stuhls ist zu wenig, also zu gering.
  • Häufigkeit: Weniger als drei Stuhlgänge pro Woche
  • Stuhlgang: Es gibt Probleme, den Stuhl auszuscheiden, etwa weil Stuhlgang nur durch starkes Pressen möglich ist.
  • Beschwerden: Es kann das Gefühl auftreten, der Darm ist nicht vollständig entleert, oder die Verstopfung zeigt sich durch ein blockierendes Gefühl im Darm.

Mögliche Begleiterscheinungen einer Verstopfung können auch die folgenden sein:

  • Tastbare Stuhlansammlung im Darm über die Bauchdecke
  • Bauchschmerzen
  • Völlegefühl
  • Verringerte Darmgeräusche
  • Blähungen
  • Übelkeit

Ursachen einer Verstopfung

Es gibt eine Reihe von Ursachen, die zu einer Stuhlverstopfung führen können. Darunter finden sich Lebensstil- bzw. Ernährungsfaktoren genauso wie potenzielle Krankheiten. Dazu gehören:

Flüssigkeit Wenn dem Körper zu wenig Flüssigkeit zugeführt wird, kann es zur Verdickung des Stuhls und damit zu Verstopfung kommen, da der Darm dem Stuhl Wasser entzieht.
Ernährung Eine Fehl- oder Mangelernährung kann Verstopfung begünstigen. Vor allem ballaststoffarme Ernährung kann zur Stuhlverstopfung führen
Bewegung Bewegungsmangel kann dazu führen, dass auch der Darm träge wird, wodurch der Stuhl nicht ausreichend schnell durch den Darm bewegt wird
Stoffwechselstörungen Störungen des Stoffwechsels wie etwa Diabetes mellitus können eine Ursache für Verstopfungen sein
Elektrolytstörungen Ist der Elektrolythaushalt gestört, wie das beispielsweise bei einem Kaliummangel der Fall ist, kann das zur Verstopfung führen.
Neurologische Erkrankungen Auch neurologische Erkrankungen, wie etwa Morbus Parkinson, können die Entstehung von Verstopfungen begünstigen.
Medikamenteneinnahme Verstopfungen können auch Nebenwirkungen von bestimmten Medikamenten sein. Darunter fallen unter anderem Opiate, Antidepressiva, Eisenpräparate oder Antihistaminika
Krankhafter Verschluss Auch der komplette oder teilweise Verschluss des Darms infolge von etwa Verwachsungen und Tumoren kann zu Verstopfungen führen
Stuhlverhalt Wenn der Stuhlgang aufgeschoben wird, etwa durch Stress, oder weil der Stuhlgang z. B. aufgrund von vergrößerten Hämorrhoiden als schmerzhaft erlebt wird, kann das Verstopfungen hervorrufen.

 

Weitere Faktoren

Überdies gibt es weitere Faktoren, die eine Verstopfung begünstigen können. Dazu gehören:

Wie lange darf man eine Verstopfung haben?

Wenn Sie für ein bis drei Tage keinen Stuhlgang haben und ansonsten keinerlei Beschwerden haben, kann das im Alltag durchaus einmal vorkommen. Haben Sie allerdings eine Verstopfung bzw. keinen Stuhlgang über mehr als vier Tage hinweg, sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Insbesondere dann, wenn weitere Symptome zur Verstopfung hinzukommen.

Wann bei Verstopfungen zur Ärztin / zum Arzt?

Gelegentlich etwas härteren Stuhl zu haben oder ab und zu von einer chronischen Verstopfung betroffen zu sein, kann durchaus etwas mit Ihren Ernährungs-, Trink- und Bewegungsgewohnheiten zu tun haben. Nichtsdestotrotz können hinter Stuhlverstopfungen auch krankhafte Ursachen stecken oder es ergeben sich aufgrund der Verstopfung Probleme, die einer Behandlung bedürfen. Deshalb ist es unerlässlich, dass Sie in folgenden Fällen bei Verstopfung zum Arzt oder zur Ärztin gehen.

  • Begleitende Schmerzen
  • Blut beim Stuhlgang
  • Abgeschlagenheit und Müdigkeit während der Verstopfung
  • Gewichtsverlust
  • Schnelle Zunahme der Beschwerden
  • Wenn die Verstopfung anhält oder immer wieder auftritt

Notfall Verstopfung – wann Sie den Arzt bei Verstopfung rufen müssen

Nicht nur chronische Verstopfungen, auch plötzlich auftretende akute Verstopfungen können ärztliche Hilfe erfordern. Insbesondere dann, wenn eine akute Verstopfung das Symptom eines Darmverschlusses ist. Dabei handelt es sich um einen medizinischen Notfall. Wenn eine plötzlich aufgetretene Verstopfung mit den folgenden Symptomen einhergeht, sollte ein Notarzt gerufen werden.

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Fieber
  • Kein Stuhlgang über 4 Tage
  • Sehr starke Bauchschmerzen, vor allem im Darmbereich
  • Aufgeblähter Bauch
  • Angespannter Bauch

Ein Darmverschluss ist ein potenziell lebensbedrohlicher Zustand und gehört umgehend medizinisch versorgt.

Verstopfung bei Kindern: Wann ärztliche Hilfe holen?

Verstopfungen bei Kindern zeigen sich, indem sie zwei bis drei Tage länger als gewöhnlich keinen bzw. harten oder schmerzhaften Stuhlgang haben. Auch sehr große Stuhlgänge oder Blut im Stuhl können ein Hinweis auf Verstopfungen sein. Wenn Kinder auch ohne weitere Begleitsymptome schmerzhafte, harte oder seltene Stuhlgänge haben, sollten Sie das den behandelnden Kinderarzt:innen jedenfalls mitteilen. Wenn zur Verstopfung allerdings eines der folgenden Warnsignale auftritt, sollte das Kind sofort zur medizinischen Abklärung gebracht werden.

  • Bauchschmerzen
  • Bauchschwellung
  • Reduzierter Appetit
  • Gewichtsverlust
  • Mangelndes Wachstum
  • Blut im Stuhl
  • Erbrechen
  • Fieber bei Kindern
  • Wenn das Kind schlapp oder schwach erscheint
  • Unbeabsichtigtes Harnlassen
  • Beinschwäche
  • Schwierigkeiten beim Gehen

Wann zum Arzt, wenn ältere Menschen Verstopfung haben?

Ältere Menschen sind aufgrund von Veränderungen der Verdauung im Alter häufiger von Verstopfungen betroffen. Zu den Ursachen für Verstopfung im Alter gehören neben den allgemeinen Verstopfungsursachen auch eine verminderte Magendehnung, eine reduzierte Dehnbarkeit der Darmwände sowie die langsamere Passagezeit im Darm. Wenn bei älteren Menschen Verstopfungen immer wiederkehren, ist ärztlicher Rat einzuholen. Umgehend medizinische Abklärung erfordert eine Verstopfung bei älteren Menschen, wenn zusätzlich eines der folgenden Beschwerdebilder hinzukommt.

  • Schmerzen im Bauch
  • Blut im Stuhl
  • Ungünstiger Allgemeinzustand, wie etwa Müdigkeit oder Abgeschlagenheit
  • Verlust von Gewicht
  • Wenn sich die Symptome rasch verschlechtern

Ein medizinischer Notfall könnte eingetreten sein, wenn die Verstopfung älterer Menschen plötzlich und heftig auftritt und bzw. oder mit einem der folgenden Symptome einhergeht.

  • Erbrechen und Übelkeit
  • Wenn für vier bis fünf Tage gar kein Stuhl abgesetzt wird
  • Heftige Schmerzen im Bauch bzw. im Bereich des Darms
  • Angespannter oder aufgeblähter Bauch

In diesem Fall sollten Sie als Angehörige umgehend notärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Es könnte sich um einen lebensbedrohlichen Darmverschluss handeln. Eine sehr heftig und plötzlich auftretende Verstopfung kann in einigen Fällen auch auf einen Schlaganfall hinweisen.

Was macht der Arzt, wenn man Verstopfung hat?

Wenn Sie Ärzt:innen aufgrund von Verstopfung aufsuchen, werden sie zuerst einmal ausführlich über Ihre Beschwerden mit Ihnen sprechen und Sie schließlich gründlich untersuchen.

Ärztliche Anamnese und Untersuchung bei Verstopfung

Zur Anamnese gehört, dass sich Ärzt:innen ein umfassendes Bild Ihrer Symptome machen. Dazu können Ihnen unter anderem die folgenden Fragen gestellt werden:

  • Wie häufig ist der Stuhlgang?
  • Wie ist es um Farbe und Konsistenz des Stuhls beschaffen?
  • Wann hat die Verstopfung angefangen?
  • Wie fühlen Sie sich nach dem Stuhlgang?
  • Bereitet die Darmentleerung Schmerzen?
  • Welche zusätzlichen Symptome treten auf?
  • Welche Ernährungs- und Trinkgewohnheiten haben Sie?
  • Sind aktuelle Krankheiten bekannt?
  • Gibt es bestehende Erkrankungen des Verdauungstraktes?
  • Welche Medikamente werden derzeit eingenommen?

Nach der Anamnese kann es in manchen Fällen für Mediziner:innen wichtig sein, weitere Untersuchungsmaßnahmen zur genauen Diagnose einzuleiten. Dazu gehören unter anderem:

  • Untersuchung einer Stuhlprobe
  • Abhören der Darmgeräusche mittels Stethoskops
  • Tastuntersuchungen
  • Blutuntersuchung
  • Ultraschall des Bauchraumes
  • Darmspiegelung

Medikamente bei Verstopfung

Sofern der Verstopfung keine behandlungsbedürftigen Ursachen zugrunde liegen, werden Ärzt:innen Sie zuerst auf mögliche Lebensstil-Veränderungen hinweisen, die eine gesunde Verdauung fördern. Dazu gehört eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichendes Trinken, regelmäßige Bewegung und die Vermeidung der Unterdrückung von Stuhlgang. Sollten Lebensstil-Maßnahmen keine Besserung bringen, stehen gegen Verstopfungen auch Medikamente zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem:

  • Klysmen: Einläufe, die rektal zur Entleerungshilfe angewendet werden
  • Suppositorien: Zäpfchen, die rektal verabreicht werden, um die Entleerung zu erleichtern
  • Laxantien: Dabei handelt es sich um orale Abführmittel, die beispielsweise in Form von Trinklösungen eingenommen werden.
  • Prokinetika: Präparate, mit denen die aktiven gastrointestinalen Bewegungen in Magen und Darm gefördert werden
  • Nahrungsergänzungsmittel: Getränke mit Ballaststoffen, die eine Kombination aus Pflanzen enthalten, können die Darmtätigkeit unterstützen.

Sind alle anderen Behandlungsoptionen ausgereizt, kann es bei Verstopfungen auch zu chirurgischen Eingriffen kommen. Darunter fällt die operative Entfernung eines Darmteils genauso wie etwa ein (temporärer) künstlicher Darmausgang.

Folgen: Darum sollten Sie bei Verstopfungen zum Arzt gehen

Verstopfungen können unbehandelt ernstzunehmende Komplikationen nach sich ziehen. Deshalb ist es notwendig, dass Sie im Bedarfsfall ärztliche Hilfe aufsuchen. Ohne Therapie einer behandlungsbedürftigen Stuhlverstopfung können daraus Folgen resultieren. Zum Beispiel:

  • Analfissuren (kleine Einrisse in der Haut am After)
  • Stau von Kot
  • Hämorrhoiden
  • Schäden der Dickdarmwand
  • Stuhlinkontinenz
  • Gewichtsverlust
  • Darmverschluss
  • Darmlähmung
  • Mastdarmvorfall (Darmteile treten durch den After hervor)
  • Herzrhythmusstörungen

Tipps: Das können Sie selbst gegen Verstopfung tun

Mit den folgenden Tipps können Sie Ihre Verdauung selbst in Schwung bringen bzw. einer Verstopfung vorbeugen:

  • Nehmen Sie vor Mahlzeiten ein Glas Wasser zu sich.
  • Trinken Sie über den Tag verteilt generell ausreichend.
  • Bevorzugen Sie Lebensmittel mit einem hohen Ballaststoffgehalt.
  • Suchen Sie die Toilette auf, wenn Sie den Drang zur Darmentleerung verspüren, und halten Sie den Stuhl möglichst nicht zurück.
  • Bewegen Sie sich ausreichend und bringen bzw. halten Sie so Ihre Verdauung in Schwung

Achten Sie generell auf Lebensstil-Maßnahmen, die eine gesunde Verdauung fördern, und befolgen Sie Tipps für eine gesunde Verdauung.

Zusammenfassung: In diesen Fällen ärztliche Abklärung

Wann bei Verstopfungen zum Arzt? Wenn die Verstopfung mit begleitenden Schmerzen, Blutungen, Müdigkeit oder Gewichtsverlust einhergeht, sowie auch bei anhaltender oder wiederkehrender Verstopfung
Notfall Verstopfung Akute Verstopfung mit Erbrechen, Fieber, starken Bauchschmerzen, aufgeblähtem oder angespanntem Bauch – sofort ärztliche Hilfe holen
Verstopfung bei Kindern Schmerzhafter, seltener oder harter Stuhlgang, Bauchschmerzen, Blut im Stuhl – ärztliche Abklärung erforderlich
Verstopfung bei Älteren Wiederkehrende Verstopfung, besonders mit Bauchschmerzen, Blut im Stuhl, rapide Verschlechterung – ärztliche Hilfe notwendig

Autoren: Redaktionsteam Schwabe Austria

Disclaimer: Die Informationen auf dieser Website sind keinesfalls ein Ersatz für den persönlichen Besuch bei Arzt, Apotheker oder anderen medizinischen Fachpersonen. Die Gesundheitsartikel sind als Impulse zu verstehen, mit dem Ziel, sich näher mit Themen der eigenen Gesundheit auseinanderzusetzen und entsprechende Unterstützung zu suchen.

Quellen:

DocCheck Flexicon, Obstipation, (abgerufen am 29.10.24)

Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Verstopfung, (abgerufen am 29.10.24)

Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Verdauungsprobleme im Alter, (abgerufen am 29.10.24)

Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Verstopfung bei Kindern, (abgerufen am 29.10.24)

pflege.de, Fabienne Helms, Verstopfung, (abgerufen am 29.10.24)