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Homöopathie-Forschung: Dr. Peithner Preis für zwei herausragende, wissenschaftliche Arbeiten verliehen

Der mit 3.000 Euro dotierte Wissenschaftspreis für herausragende Leistungen in der Forschung zur Homöopathie wurde dieses Jahr im Rahmen einer ganz außergewöhnlichen Veranstaltung verliehen. Und das ausnahmsweise sogar zwei Mal!

Wien/International – Rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgten am Dienstag, den 27. April 2021 gebannt die digitale Verleihung des Dr. Peithner Preises. Heuer stand die Vergabe des renommierten Forschungspreises im Bereich der Homöopathie unter einem gänzlich neuen Stern: Nicht nur, weil der Preis aufgrund der instabilen Planungssicherheit durch Covid-19 anstatt auf der jährlichen Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin (ÖGHM) im Rahmen einer hochwertigen digitalen Tagung stattfand. Sondern vor allem auch, weil der Preis dieses Jahr gleich zwei Mal vergeben wurde.

Zwei Forschungsarbeiten durch Dr. Peithner Preis gewürdigt 

„Vergangenes Jahr fiel die Prämierung für den Dr. Peithner Preis exakt in den Zeitraum, in dem die Auswirkungen der Pandemie in Österreich mit dem ersten Lockdown plötzlich drastisch spürbar wurden. Zu diesem Zeitpunkt hatten andere Dinge deutlich höhere Priorität als das Verleihen von Preisen. Glücklicherweise – denn so ist es uns heuer erstmals möglich, gleich zwei Arbeiten zu prämieren“, sagt dazu Dr. Fritz Gamerith, der als Geschäftsführer von Schwabe Austria Teil der Fachjury des Dr. Peithner Preises ist. „Das ist insofern großartig, weil unter den eingereichten Arbeiten gleich zwei äußerst herausragende Publikationen zu finden waren. Es freut mich, dass nun beide Arbeiten ihre Würdigung erfahren.“

Verbesserung der Lebensqualität durch Homöopathie 

Bei einer der beiden Arbeiten handelt es sich um eine prospektive, randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde, dreiarmige und multizentrische Studie, mit der ao. Univ.-Prof. Dr. Michael Frass belegen konnte, dass die homöopathische Behandlung als Zusatztherapie die Lebensqualität von Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs verbessern und das Überleben verlängern kann. „Professor Frass ist ein besonderer Leuchtturm in der Homöopathie-Forschung. Wäre es eine chemische Substanz, die in einer so hochwertigen Studie derartige Ergebnisse wie die von Professor Frass erzielt hätte, würde das zu einem enormen Rauschen im medizinischen Blätterwald führen. Die Arbeit von Prof. Frass verdient nicht nur den Dr. Peithner Preis, sondern vor allem auch eine intensive Diskussion in der medizinischen Community“, so Dr. Fritz Gamerith.

Für Professor Frass, der die Spezialambulanz „Homöopathie bei malignen Erkrankungen“ in der Klinik für Innere Medizin im AKH Wien leitete, bedeutet der Dr. Peithner Preis dabei nicht nur eine Würdigung seiner intensiven Forschungsarbeit: „Ich freue mich über den Preis vor allem deswegen so, weil ich in der angenehmen Situation bin, dass diese Studie eben nicht von Firmen gestützt und aus dem Bereich der Pharma gesponsert worden ist. Der Erhalt des Preises ist auch deswegen so besonders für mich, weil das meine letzte große Arbeit im AKH Wien war, die darüber hinaus nicht in einem komplementärmedizinischen, sondern in einem konventionellen Journal erschienen ist, das zu den 25 Prozent der besten krebspublizierenden Journale gehört!“

Review: Gemeinschaftsarbeit Human- und Veterinärmedizin 

Die zweite prämierte Arbeit im Bereich der Homöopathie-Forschung ist ein Review der Hauptautorin und Veterinärhomöopathin Dr. Petra Weiermayer in Zusammenarbeit mit Dr. Thomas Peinbauer, Dr. Liesbeth Ellinger und ao. Univ.-Prof. Dr. Michael Frass. „Das ist eine ganz bedeutende Übersichtsarbeit im Hinblick auf das Problem der zunehmenden Antibiotikaresistenzen. In dem Review sind die wichtigsten Erkenntnisse zur Forschung zusammengefasst, die zeigen, dass die Homöopathie sowohl im Human- als auch im Veterinärbereich in der Lage ist, Antibiotika einzusparen“, sagt dazu Dr. Volker Neubauer, der als Präsident der ÖGHM ebenso in der Fachjury des Dr. Peithner Preises sitzt und die Forschung als einen ausnehmend wichtigen Bereich in der Homöopathie betrachtet. „Wir brauchen den wissenschaftlichen Austausch und Exkurs in der Medizin. Nun ist es aber so, dass gerade Ärztinnen und Ärzte, die homöopathisch tätig sind, besonders gern direkt mit den Menschen arbeiten und nicht unbedingt eine wissenschaftliche Karriere anstreben. Homöopathinnen und Homöopathen zu finden, die gleichzeitig in freier Praxis arbeiten und wissenschaftlich begeistert sind, ist selten. Da sind sowohl Professor Frass als auch Dr. Weiermayer zwei herausragende Beispiele“, so Dr. Neubauer weiter.

Homöopathie wirksam in Nutztierpraxis 

„Ich habe mich natürlich riesig über die Anerkennung durch den Dr. Peithner Preis gefreut“, sagt Dr. Petra Weiermayer dazu. „Wir haben zu Viert an diesem narrativen Review geschrieben, zwei Humanmediziner und zwei Veterinärmedizinerinnen zusammen im Sinne von One Health, eine Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt. Ich erachte sowohl im Bereich der Veterinär- als auch in der Humanhomöopathie qualitativ hochwertige Forschung für unerlässlich. Denn wir stehen vor vielen großen Krisen und Problemen: Etwa die Resistenz-Problematik hinsichtlich der Antibiotika oder die Polypharmazie in der Geriatrie. Nicht umsonst formuliert die EU Kommission die Notwendigkeit von Forschung im Bereich der Komplementärmedizin und die WHO ihre Integration in die nationalen Gesundheitssysteme.“

Während gerade die Wirksamkeit in der Veterinärhomöopathie von vielen Homöopathen als Argument für die Wirksamkeit über den viel zitierten Placebo-Effekt hinaus gebracht wird, kann Dr. Weiermayer im Bereich der Haustiere kritische Stimmen dazu jedenfalls nachvollziehen: „Ich stimme hier durchaus zu, dass Hunde- oder Katzenbesitzer etwas bewirken, wenn sie sich durch die Gabe eines Medikaments dem Tier gegenüber anders verhalten – was für die konventionelle Medizin und die Homöopathie gleichermaßen annehmbar ist. Aber gerade in der Nutztierpraxis, in der homöopathische Arzneimittel über das Trinkwasser oder die Nahrung zugeführt werden und in der den Landwirten darüber hinaus in großen Betrieben oftmals gar keine Zeit bleibt, sich jedem Tier einzeln zuzuwenden, greift diese Argumentation nicht mehr“, so die Hauptautorin des Reviews. Hier pflichtet ihr auch die niederländische Veterinärkollegin und Mit-Autorin Dr. Liesbeth Ellinger bei, die selbst randomisierte, kontrollierte Doppelblindstudien durchführt.

Homöopathie-Forschung: Wissenschaftliche Neugier als Motor 

Solche medizinischen Faktoren wissenschaftlich belegen zu können, war auch die ursprüngliche Motivation, die Mit-Autor Dr. Thomas Peinbauer zur Homöopathie brachte: „Am Anfang hat mich das Phänomen der Homöopathie interessiert und dass man die Wirkweise noch nicht genau erklären kann. Ich war von einer wissenschaftlichen Neugier getrieben. Gerade durch diese Art der Beschäftigung mit der homöopathischen Medizin wurde dann auch die Praxis für mich zunehmend wichtig“, so der heute leidenschaftlich als Homöopath tätigte Arzt, der vor einigen Jahren auch die Präsidentschaft des European Committee for Homeopathy (ECH) inne hatte. „Wir sehen als Ärzte in der Praxis, dass die Homöopathie bei bestimmten Erkrankungen gut hilft. Die Frage für den Review war, ob wir das auch in einem Studiensetting abbilden können. Vor dem Problem der Antibiotikaresistenzen wollten wir zeigen, dass es in vielen – vor allem viral bedingten Fällen – eine Therapieoption gibt und damit auch auf die Effizienz der Homöopathie bei bestimmten Erkrankungen hinweisen“, so Dr. Peinbauer, der seit 2018 das allgemeinmedizinische Primärversorgungszentrum in Haslach leitet.

Dass der gemeinsame Review von Veterinär- und Humanmedizinerinnen nicht nur wissenschaftlich wertvolle Erkenntnisse bietet, sondern auch von einer besonderen interdisziplinären Gemeinschaft hierzulande zeugt, freut Schwabe Austria Geschäftsführer und Dr. Peithner Preis Jury-Mitglied Dr. Fritz Gamerith dabei besonders: „Dass die Arbeit von Frau Dr. Weiermayer Human- und Veterinärmedizin verbindet, unterstreicht die besonders gute interdisziplinäre Kooperation, die wir in Österreich kennen und die zum Beispiel auch in der guten Zusammenarbeit zwischen Ärztinnen sowie Ärzten und Apothekerinnen sowie Apothekern sichtbar wird. Es macht mich stolz, zu sehen, dass die Homöopathie-Community gemeinsam an einem Strang zum Wohle der Patientinnen und Patienten zieht.“

Weitere Informationen:

Der Dr. Peithner Preis

Der Dr. Peithner Preis wird jedes Jahr für eine besonders herausragende Forschungsarbeit im Bereich der Homöopathie vergeben, die im Vorjahr bei der Fachjury eingereicht und von dieser mit einfacher Stimmenmehrheit prämiert wurde. Der mit 3.000 Euro dotierte Forschungspreis hat den Zweck, wertvolle Anreize für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der medizinischen Therapieform der Homöopathie zu bieten. Eingereicht werden können Arbeiten, die dem Niveau internationaler wissenschaftlichen Arbeiten entsprechen, und die als Einzel- oder als Gruppenarbeit im Erscheinungsjahr bzw. im Jahr davor publiziert wurden.